DSOB-Chef Alfons Hörmann: Runter vom Feld

Ein Kommentar von Thomas Purschke

Gerade mal sechs Tage vor der Eröffnung des Kartellrechtsprozesses gegen den DOSB-Präsidenten Alfons Hörmann am Oberlandesgericht Düsseldorf am 11. Mai hat Hörmann nun in einem öffentlichen Schreiben erklärt, dass er den Einspruch gegen einen Bußgeldbescheid des Bundeskartellamts von 2008 in Höhe von 150.000 Euro plus Zinsen zurückgenommen hat. Er sei nun einerseits erleichtert, dass das Verfahren für ihn beendet sei, andererseits gehe ihm die Chance verloren, die damaligen Vorgänge unter seiner Mitwirkung gerichtlich klären zu lassen, was er bedauere.

Ist Hörmann jetzt zu bedauern? Ob er bei seiner schweren Entscheidung auch an die vermeintliche Vorbildrolle als Präsident von nahezu 27 Millionen DOSB-Mitgliedern gedacht hat ? Fakt ist jedenfalls auch, ein solch hohes Bußgeld mussten nicht mal annähernd die Verantwortlichen des DDR-Staatsdopings zahlen. Auch der einstige Radsport-Fachdoper Georg Huber von der Uni Freiburg musste lediglich 9.000 Euro Strafe entrichten.

Bis 2010 war der Allgäuer Hörmann über ein Jahrzehnt lang Vorstandsvorsitzender des Dachziegelherstellers Creaton AG. 2008 war er zusammen mit weiteren Ziegelherstellern vom Bundeskartellamt zu einer Geldbuße von 188 Millionen Euro verdonnert worden. Hörmann persönlich wurde mit einem Bußgeld von 150.000 Euro belegt. Die Kartellwächter hatten "wettbewerbsbeschränkende Absprachen" festgestellt. Der damalige Marktführer Creaton, der rund 66 Millionen Euro Geldbuße zahlen sollte, erhob Einspruch.

Kurz vor seiner Wahl zum höchsten DOSB-Ehrenamtler im Dezember 2013 hatte Hörmann gegenüber dem Spiegel erklärt, er sei während seiner Zeit bei der Creaton AG an keinen Preisabsprachen beteiligt gewesen. Und der FAZ hatte Hörmann vor seiner Wahl recht kryptisch Folgendes mitgeteilt: "Ich habe seit fünf Jahren vom Verfahren nichts mehr gehört und hoffe auch nichts mehr zu hören […] Ich habe den gut akzeptablen Status, dass wir aus meiner Sicht in jeder Hinsicht schadlos gehalten werden." Ähnlich Verschwurbeltes hatte man in der Vergangenheit zur Genüge nicht nur von Fifa- und IOC-Mitgliedern, sondern auch von bayerischen Fußballfunktionären gehört.

Nun erklärte Hörmann: "Ich habe mich wohl im Grenzbereich bewegt und muss einen Fehler eingestehen. In die Sportsprache übersetzt, würde ich sagen, dass ich gegrätscht habe und dann die Gelbe Karte bekam. Ich habe daraus gelernt." Der Beschuldigte Hörmann plädiert also für Gelb für seine Ziegel-Grätsche. Dabei wäre ein Platzverweis die angemessene Strafe. Runter vom Feld. Hörmann, der beim DOSB für Integrität und Glaubwürdigkeit stehen will, ist nun nicht mehr tragbar.

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Im Original: Die Schlammschlacht in der Freiburger-Dopingkommission


"Nach der Veröffentlichung eines Abstracts zu einem Sondergutachten zu „Systematischen Manipulationen im Radsport und Fußball“ am 2. März 2015 konzentrierte sich die Vorsitzende Frau Prof. Paoli - statt die Arbeiten der Kommission weiter voranzutreiben - nun mehr darauf, Herrn Dr. Singler in der Öffentlichkeit und in der Kommission durch E-Mail-Dossiers zu diskreditieren."

"Es war in den letzten Monaten für die Öffentlichkeit kaum mehr zu übersehen, dass die Evaluierungskommission Freiburger Sportmedizin unter dem Vorsitz von Frau Prof. Dr. Letizia Paoli wegen deren eigenmächtiger Pressearbeit und interner Differenzen kaum mehr arbeitsfähig ist"

Prof. Dr. Heinz Schöch, Presseerklärung vom 27.04.2015 (pdf)
"Eine Zusammenarbeit mit Mitgliedern der Evaluierungskommissionen, die zwar die öffentliche Wahrnehmung dominieren, aber kaum mit inhaltlicher Arbeit in Erscheinung getreten sind, insbesondere mit der Vorsitzenden Prof. Dr. Letizia Paoli, wird es für mich in Zukunft nicht mehr geben."

"Die Problematisierung einer Erhöhung meines Honorars als freier Mitarbeiter erscheint mir im übrigen reichlich pharisäerhaft, angesichts der Tatsache, dass meine Honorierung pro Stunde heute noch immer kaum mehr als ein Zehntel dessen beträgt, was die Vorsitzende für ihre Tätigkeiten in Rechnung stellt."

"Die Kommission bedauert sehr, dass eine weitere Zusammenarbeit Dr. Singler, der ein anerkannter Doping-Experte ist, nicht mehr möglich ist und dankt ihm für die bisher geleistete Arbeit."

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Zwei Seiten: Doping in der Fußball-Bundesliga

02.03.2015
Nach Jahren des Wartens, gibt es ihn endlich. Den ersten Zwischenbericht von der Kommission zur Aufklärung der Dopingpraktiken an der Freiburger Sportmedizin. Zwei Seiten Papier. Zwei Seiten, die es in sich haben. Demnach "ist nunmehr erstmals der sichere Befund möglich, dass Anabolikadoping auch im Profifußball eine signifikante Rolle spielte ....". Ausdrücklich benannt ist der VfB Stuttgart. Dort spielten zu dieser Zeit viele bekannte Nationalmannschaftskicker. Bemerkenswert auch, dass sich der VfB Stuttgart, nach seinem Aufstieg aus der 2. Bundesliga, sofort an der Tabellenspitze im bundesdeutschen Fußballoberhaus etablieren konnte. Und dass über Jahre .... 

zwischenbericht freiburg kommission teil 1

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Doping im Fußball: Klümper, Löw und all die Anderen

von Fred Kowasch

10.03.2015
Wer die Akten kennt hat die Nase vorn. Diesmal ist es der SWR. Glückwunsch an die Kollegen! Tag für Tag sickert immer mehr aus den alten Ermittlungsakten der Freiburger Staatsanwaltschaft. Die Informationen beruhen auf Zeugenbefragungen in einem Ermittlungsverfahren wegen Rezeptbetruges gegen den Freiburger Dopingazrt Prof. Dr. Armin Klümper. Es sind Aussagen - die in ihrer ganzen Schönheit und Länge - sehr detailliert Aufschluß darüber geben, was Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre damals alles praktiziert wurde. Beim Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart. Und wie Ex-VfB-Präsident Hermann Mayer-Vorfelder - später Chef beim DFB - in das Sytem des Sportbetruges eingebunden war.

Die neuen Informationen beruhen auf Recherchen des Sporthistorikers und Journalisten Andreas Singler. Er hatte - im Gegensatz zu den anderen Mitliedern der Evaluierungskommission zur Doping-Geschichte der Freiburger Sportmedizin -  das Rückgrat, den brisanten Vorgang öffentlich zu machen. Nach Jahren, in denen von der Kommission lediglich öffentliches Lamentieren zu vernehmen, aber keine Arbeitsergebnisse publiziert worden waren. In einem sehenswerten Interview mit dem ZDF begründet er ausführlich seine Intention. Wer hier genau zuhört, dürfte Einiges registrieren.

Zwischen den Zeilen ist da auch zu erfahren, dass es noch erheblichen Aufklärungsbedarf um die Vergabeumstände der Proffessur an Armin Klümper gibt. Und welche Rolle Dr. Mayer-Vorfelder und das baden-würtembergische Kultusministerium dabei spielte. Von einiger Brisanz dürfte auch sein, dass bald durchsickernn wird: alle damaligen Fußballprofis des VfB Stuttgart sollen in das 'System Klümper', in das System der systematischen Medikamentenvergabe eingebunden gewesen sein.

In diesem Zusammenhang könnte auch der Name Joachim Löw wieder fallen. Der amtierende Trainer der deutschen Nationalmannschaft war in der Saison 1980/81 Profi beim VfB, spielte für die Schwaben viermal in der Bundesliga. Genau in diese Zeit fallen Medikamentenabrechnungen Klümpers an den VFB Stuttgart. Wird das Anabolikum Megagrisevit in Rechnung gestellt, sind die Substanzen Primobolan und Testoviron aufgeführt.

Das all dieses jetzt bekannt wird - dass ENDLICH breit über das Thema 'Doping im Fußball' diskutiert wird - Vielen Dank, Andreas Singler!

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Triathlon - Wie ein Jedermann zum 'Finisher' werden kann

triathlonstart  2008Einmal ins Ziel kommen, ein 'Finisher' werden. Dies ist möglich, auch noch in dieser Saison. Auch wenn einige Triathlons jetzt schon ausgebucht sind, es gibt immer noch Startplätze zum Ende der Saison. Reken, Kallinchen, Ratingen - um nur ein paar zu nennen. Hier kann man sich einmal versuchen, zum 'Finisher' werden. Hier wird der sogenannte Schnuppertriathlon (0,2/0.3 Schwimmen - 10-13 km Rad - 2,5 bis 4 km Laufen) angeboten.

Ein wenig Sport sollte man bisher allerdings schon gemacht haben. Wer für sich allein 200 Meter Schwimmen kann, kürzlich mal drei bis fünf Kilometer gelaufen ist und mit dem Rad zur Arbeit fährt oder regelmäßig durch die Stadt crosst - dem winkt 2015 noch ein begehrtes Finisher-T-Shirt oder eine Medaille. Allerdings: ohne 'Biss' geht es nicht!!

In den folgenden Wochen wollen wir euch ein wenig mit den Grundlagen vertraut machen. Wie könnt ihr in diesem Jahr noch erfolgreich einen Triathlon bewältigen. Was ist notwendig an Training, worauf kommt es in der Wettkampfvorbereitung an? Und: wie steht man den finalen Tag erfolgreich durch?!

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Mein erster Triathlon: Anno '84 in Essen

triathlon essen 84 foto schwimmenFred Kowasch, manchmal gehst Du einem ganz schön auf die Nerven! Das habe ich aber erst festgestellt, als ich merkte, wie lange ich suchen musste, um Dir deinen Wunsch nach einer Geschichte über meinen ersten Triathlon erfüllen zu können. Denn der war am 26. August 1984.

Aber Fred kann man schwer etwas abschlagen; er ist unglaublich hartnäckig.

Nun gut, das hast Du jetzt davon. Da musst Du durch. Du und die hoffentlich nur paar Besucher Deiner Internetseite ....

Ein paar Zuschauer gab es auch anlässlich meines ersten Triathlons in Essen. Und ein paar Offizielle, die weniger Spaß hatten. Als es hieß: 'Alle ins Wasser!´ sagte ich den hohen Herren, dass ich mich jetzt ins nasse Element begeben wolle, aber meine Einsprünge nie so elegant gelängen und sie womöglich nass werden könnten. Irgendwie haben sie mich nicht verstanden und sind stehen geblieben. Das hatten sie davon. Aber es war ja August und ziemlich warm. Veranstalter Ernst Peter Berghaus meinte nur, ich hätte sie ja gewarnt. Das Schwimmen verlief dann reibungslos. Wie man am Fotodokument feststellt, beherrsche ich den hohen Ellenbogen der Kraultechnik besser als den Köpper vom Beckenrand.

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Triathlon Check - Veranstaltungen unter der Lupe

Ratingen - Gute Laune rund ums Freibad
(letzter Check 2013)
Distanz:
0,2/10/2,5 - 0,5/20/5 - 1 /41/10
(zweites Wochenende im September)

positiv: zuschauerfreundlich; von der Strecke her das Richtige zum Saisonabschluss; vom 'Schnupper', über den Sprint- bis zum Kurztriathlon wird alles geboten; professionelle und sehr freundliche Veranstalter
negativ: Die Wettkampfrichter beim Einchecken sind hier sehr nervig. Das Finisher-T-Shirt muß man kaufen. Der Preis ist Wucher. 

Strecke:
Los gehts im Freibad in einem 50 m Becken. Ist am Start zwar etwas eng, regelt sich dann aber. Wasser ist recht warm, ermöglicht aber gute Schwimmzeiten. Die Wechselzone befindet sich unmittelbar hinter dem Schwimmbecken. Ehe man aber auf Rad steigen kann, sind noch ein paar Hundert Meter zu laufen. Vorher kleinen Gang einlegen, der Radeinstieg ist knackig. Das gilt auch für die gesamte Radstrecke (10 Km). Durchaus anspruchsvoll der Wechsel von längeren Bergaufpassagen und rasanten Abfahrten. Vorsicht bei Regen! Sind ein paar enge Kurven dabei, auf die man regelrecht zugeschossen kommt. Vor dem zweiten Wechsel ist dann wieder ein Stück zu laufen. Macht sich gut für den Rest des Wettkampfes. Gleich zu Beginn des Laufens (2,5 km) ist die Wasserstelle, dann gehts kurz mal hoch .... Die Laufstrecke ist abgesperrt und gut zu bewältigen. Den Vorder- und Hintermann hat man immer im Blick. Zum Abschluß die Finishermedaillie und ein paar leckere Stückchen Kuchen.

Webseite: www.stadtwerke-ratingen-triathlon.de

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Sport inside: Über die politische Radikalisierung der Hooliganszene

SPORT INSIDE - 02.03.2015 - 22:45 Uhr - Politisch radikal (VIDEO ON DEMAND)

Ein Film von Fred Kowasch

Hogesa 15112014 Hannover"Am letzten Sonntag im Oktober 2014 demonstrierten Hooligans, Rocker, Kampfsportler und Rechtsradikale in der Kölner Innenstadt gemeinsam unter dem Motto "Hooligans gegen Salafisten" (HogeSa) und lieferten sich eine regelrechte Straßenschlacht mit der Polizei. Die Öffentlichkeit fragt sich seither: Woher kommen plötzlich Tausende von Hooligans, die auf die Straße gehen, um politisch zu demonstrieren?

Parallel dazu entwickeln sich seit Mitte Oktober in Dresden und Leipzig Pegida und Legida, bei deren Kundgebungen immer wieder Hooligans als Ordner auftreten. Fanvertreter, Polizei- und Politikwissenschaftler beobachten seit einiger Zeit, dass Hooligans im Stadion und im Stadionumfeld aktiver geworden sind und sich verstärkt dem Rechtsradikalismus öffnen. Die Behörden gehen mittlerweile härter vor und erzielen damit Wirkung in der Hooliganszene. Die Ermittlungsbehörden bleiben aber dennoch in Alarmstimmung. Noch immer ist wenig darüber bekannt, wer sich hinter den aktiven Hooligangruppen verbirgt und was sie vorhaben. Denn dass sich Hooligans gemeinsam politisch engagieren, ist in der Geschichte des deutschen Fußballs ein absolutes Novum." (Text WDR)

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