Doping-Studie: Manipulationen im Fußball


"5.3 Fallbeispiel DFB

Beim Thema Dopingkontrollen fällt bei der Sichtung der Archivalien insbesondere der bundesdeutsche Fußball negativ auf. Schon die Reaktion des Deutschen Fußballbundes (DFB) auf die vom DSÄB im Oktober 1976 initiierte Umfrage unter den im DSB vertretenen Sportverbänden zur Situation der Dopingkontrollen fiel kurz aus: „Sowohl bei den Amateuren als auch bei den Lizenzspielern“ hielt Heinrich Heß, Arzt der Fußball-Nationalmannschaft beim DFB, im nationalen Wettkampfbereich „eine ständige Dopingkontrolle nicht für erforderlich, insbesondere auch, da nach meinen Erfahrungen von den Spielern Dopingmittel nicht genommen werden.“179

In seiner Entgegnung auf die Stellungnahme des DFB zeigte sich Donike „sehr skeptisch, ob der Verzicht auf Dopingkontrollen, vor allem im bezahlten Fußballsport, angebracht ist“, und berief sich auf Sachverhalte, welche die Aussage von Heß Lügen straften: eigene „verschiedene Beobachtungen und Gespräche mit Trainern etc.“, aber auch öffentliche Diskussionen über „Manipulationen oder Theorien, die Doping miteinschließen“. Als zufällig herausgegriffenes Beispiel nannte er die Aussage eines Torwarts, die er am selben Tag im „Kölner Stadtanzeiger“ gefunden habe, in der dieser „freimütig zugibt, die Hälfte der Spiele der letzten Saison unter dem Einfluß von betäubenden Medikamenten ausgeführt zu haben“.180 Ohne auf den offenkundigen Widerspruch zu seinen eigenen „Erfahrungen“ einzugehen, antwortete Heß auf diesen Einwurf mit der Ankündigung, das Problem der Dopingkontrollen im bezahlten Fußballsport in den zuständigen Gremien des DFB zu diskutieren und Donike über das Ergebnis „gelegentlich“ zu berichten.181

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179 Schreiben Heß an Donike vom 03. November 1976. In: Kirsch-Nachlass, Mappe 91, „Doping 1971-1976“.
180 Schreiben Donike an Heß vom 01. Dezember 1976. In: Kirsch-Nachlass, Mappe 91, „Doping 1971-1976“.
181 Schreiben Heß an Donike vom 08. Dezember 1976. In: Kirsch-Nachlass, Mappe 91, „Doping 1971-1976“.
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