Fotostrecke: Queens Park, Millwall, Arsenal - Fußball-London in drei Tagen

Tag 2
Millwall FC - FC Barnley 1:3
West Ham United - Swansea City 1:0

stratford hafen3Gut gestärkt - wie immer in London gibt es Morgens schlabbrige weiße Bohnen und gepapptes Rührei - laufe ich in Richtung U-Bahn Stradford. Kurz vorher ziehen einige Hammers-Fans an mir vorbei. Gut zu erkennen an ihren weinroten Trikots. Sie haben es nicht weit, denn das Londoner Olympiastadion - wo sie seit kurzer Zeit spielen - ist ja nur ein paar Hundert Meter von unserem Hotel entfernt. Eine bizarre Gegend. Ein seltsamer Misch zwischen 'Old England' und Moderne. Abgeranzte Mietskasernen, selten mehr zwei bis drei Stockwerke flach, liegen zwischen Wolkenkratzern der Moderne. Hier wird auch am Samstag gehämmert, gesägt, gebaut. Ein 'Glück', dass ich ein Zimmer zum Innenhof habe. Direkt über der Küche duftet es auch in der Nacht noch süßlich ....

Im Prinzip ist es nicht weit, bis zum Stadion nach Millwall. Drei verschiedene U-Bahnen, zweimal umsteigen. Dann zu Fuß an den Schienen entlang. Einfache Mietskasernen, links ein unendlich wirkender grauer Metallgitterzaun. Irgendwann kommt neben dem schmalen Asphaltweg mal ein Spielplatz. Auf ihm rennen zwei Kinder im Kreis. Unter ihnen knischen kleine Kieselsteine. Am Rande sitzt an Mädchen. Kippe im Mund, Hund an der Leine. Sie blickt teilnahmslos in Richtung Süden. Dort, wo ein Kraftwerk dampft. Irgendwo rattert ein Zug.
Millwall Weg zum StadionNach der dritten Eisenbahnbrücke, unter der es besonders stark nach Urin stinkt, steht es da: das Stadion des legendären Millwall FC. Ein blau-weißer Betonbau, das Ziel meiner Träume. Deshalb habe ich eine Einladung zur 'Premiere League' ins Londoner Olympiastadion ausgeschlagen. Dort wo heute zeitgleich West Ham gegen Swansea spielt, die 'Kollegen' Tickets haben. Dem Anpfiff entgegensehnen.

Noch bleibt 90 Minuten Zeit. Trotzdem warten hier, vor 'The Den', schon paar Rentner vor den Stadiontoren. An den Kassenhäuschen hingegen steht kein Mensch. "I wanna have a seat around the old hooligans ....". Die Verkäuferin lacht. Und irgendwann halte ich dann auch meine Eintrittskarte in der Hand. 23 Euro. Das geht doch. Endlich bin ich dort, wo meine Lieblingsfilme spielen.

millwall1

Gegenüber dem Fan-Shop gibt es Fish and Chips. Sieben Pfund, sehr lecker. Dann noch ein kleiner Verdauungsspaziergang zu den Pinständen in der Nähe. Ein 'Kollege' hat einen Wunsch. Es entwickelt sich ein munterer SMS-Verkehr:

millwall2Millwall:
Endlich Fish&ships
Super hier!
Welchen Pin?

West Ham:
Nur Millwall!

Millwall:
Is klar
Bin ja nich blöde

Millwall:
Aber welche?
Mit britischer Flagge?
Oder ohne?
Mit dem Löwen?
Mit Schriftzeichen?

West Ham:
Mit Loewe!

Millwall:
Mach ich!
Wird Teuer ;)

Vor dem Stadion dann noch ein Bier. Obwohl es ein durchaus brisantes Spiel ist, die Hools von Millwall diesen Ruf haben, wird unbeirrt Alkohol ausgeschenkt. Dann heisst es einen Platz suchen, bei dem man nicht nass wird. Denn überdacht ist hier längst nicht alles. Nummerierte Sitze gibt es nicht. Ich suche mir ein Plätzen mit Nachbarn, die gar finster blicken. Da könnte noch was gehen .... Zehn Minuten nach dem Anstoß werde ich auch schon gestört.

West Ham:
Wir sterben hier vor Langeweile!

Millwall:
Was ist denn los?
Stadionverbot?

West Ham:
Ein Match, bei dem die ersten schon gehen ….

Millwall:
Hier nicht!

west ham stadion1Millwall:
0:1

Millwall:
Elfmeter
Hier ist was los

West Ham:
Neid! Ich gaehne ….

Millwall:
Wieso?
1:1
Jaaaaaaaaa

Millwall:
Sitze goldrichtig

West Ham:
Fahren nach dem Spiel zur Liverpool Street

Schicke Info mit dem Pub

++++++++++++++++++++

Millwall:
1:2
Das geht hier ab
Schon eingeschlafen?

west ham stadion2West Ham:
Tttttzzz. Und gaehn

Millwall:
Chance auf Chance vor unserem Block

Millwall:
Mein Herz ;)

West Ham:
Hier agiert das Nichts

Millwall:
‚Premiere‘ League

Millwall:
Noch ein Elfer
Das alles für 23 Steine

Millwall:
1:3
Shit

Nach dem Spiel ist es still. Fast wie auf einer Beerdigung. Lautlos und eilig verlassen Hunderte Millwallfans das Stadion. Hier hat kaum noch einer Lust auf ein Bier. Nur ein paar Barnley-Fans stehen am Stadion. Und warten. Auf ihre Spieler, die frisch geduscht - und mit einem Lächeln im Gesicht - gerne Autogramme schreiben. Daneben stehen zwei Journalisten mit ihren Diktiergeräten. Vertraulich wirkt ihr unmerklicher Plausch mit zwei Barnley-Spielern. Die sich an ihren Rollkoffern festhalten.

Als ich eine Anhöhe erklimme, um noch ein letztes Stadionfoto zu machen, hallen Schreie aus dem Rund. Was ist das jetzt?! Auf dem Rasen - wo vor einer Stunde noch ein Zweitligamatch stattfand - hetzen Spieler in blauen Trainingsanzügen Bällen hinterher. Immer und immer wieder. Minutenlang. Irgendwann habe ich genug und gehe auf dem schmalen Asphaltweg am Metallgitterzaun in Richtung U-Bahn zurück. Millwall, es war es wert.


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