Radfahr-Tipps: Wenn, dann Vennbahn

von Ralf Meutgens

Venn-Bahn 3Von Aachen aus schlängelt sich der Radweg in sehr erträglichen Steigungen bis in die Eifel nach Monschau hinauf. Die nahezu gerade Straße, auf der man Monschau auch erreichen kann, wird `Himmelsleiter´ genannt. Doch himmlisch ist eigentlich der Weg für Radfahrer auf der Trasse der ehemaligen Vennbahn, denn hier gilt Muskelkraft vor Motorkraft.

Vor 130 Jahren begann die Erfolgsgeschichte der Vennbahn mit der Eröffnung der Verbindung von Aachen ins Eifelstädtchen Monschau. Nach weiteren vier Jahren war die Verbindung bis nach Troisvierges fertiggestellt und sicherte so den Transport der im Aachener Raum abgebauten Kohle in die Verhüttungs- und Industriegebiete von Luxemburg und Lothringen. Heute ist die alte Bahntrasse hervorragend asphaltiert, dient ausschließlich dem muskelbetriebenen Transport von Rädern in jeglicher Ausprägung, bei dem es höchstens zum Abbau von Energie kommt.

Der kann auch in Form von Akkuleistung sein, denn die Zahl der E-Bikes hat erheblich zugenommen. Wenn ein voller Akku, Rückenwind und Gefälle zusammenkommen, kann es schon mal eng werden. Besonders am Wochenende, denn der Vennbahn-Radweg erfreut sich großer Beliebtheit. Aber mit Rücksicht und etwas vorausschauender Fahrweise bietet der Radweg für alle reichlich Platz.



Venn-Bahn 4Radsportler, die ihn zum Mannschaftszeitfahren nutzen wollen, sollten lieber noch einmal in sich gehen, statt so zu radeln. Die grandiose und vielfältige Natur, weitab vom Verkehr, sollte auch in aller Ruhe und Entspannung genossen werden. Auf kleineren Straßen, die den Radweg kreuzen, müssen die Autofahrer sogar den Radfahrern die Vorfahrt lassen. Vor größeren Straßen wird rechtzeitig gewarnt, die Übergänge sind farblich markiert und offenbar ist der Radweg derart populär, dass sogar dort Autofahrer warten und den Radfahrern die Vorfahrt lassen.

Die allgemeine Entspannung scheint auch auf die Autofahrer übergegriffen zu haben. Nur ganz selten gibt es Grund zur Anspannung, denn der Radweg ist für drei gut geübte Radfahrer breit genug. Was aber, wenn sich zwei nebeneinander fahrende Pärchen entgegenkommen? Und wenn ein Pärchen zwei männliche Radsportler sind? Dann hat man auch die Möglichkeit für soziologische Studien. Frauen weichen eher nach hinten aus als Männer, ältere Radfahrer eher als jüngere und unsportliche eher als sportliche.

Venn-Bahn 1Bis auf ein kurzes Stück von Lammersdorf nach Konzen ist der Vennbahn-Radweg durchgehend asphaltiert. Wer Angst um seine teuren Rennreifen hat, kann von Lammersdorf rechts zum Fringshaus fahren und dann nach links entlang der B 258 nach Konzen, auch auf Radwegen versteht sich. Wer einen stabilen Reifen fährt, sollte einfach weiter geradeaus fahren, denn die Strecke ist gut präpariert, wenn auch nicht asphaltiert.

Das ist übrigens dem Naturschutz geschuldet. Man hatte sich gegen eine Versiegelung der Strecke entschieden, da auf beiden Seiten der alten Bahntrasse geschützte Gebiete angrenzen. Kurz vor Sourbrodt wurde eine längere und dadurch teurere Umfahrung der Trasse gebaut, da das Braunkehlchen dort beheimatet ist.

Apropos braun und Kehle: Entlang der Strecke haben sich Cafés, Waffelbuden und andere gastronomische Haltestellen angesiedelt. Nicht gerade zur Freude von Cafébetreibern in nahen Gemeinden, wie zum Beispiel Kalterherberg. Nur ein kurzes, aber steiles Stück trennt die alte Vennbahntrasse vom Ortskern. Aber oft lohnt sich ein solcher Abstecher. Nicht nur wegen der kulinarischen Angebote. Auf den 125 Kilometern von Aachen nach Troisvierges gibt es Vieles, für das man seinen geliebten Drahtesel einmal abstellen kann. Wie zum Beispiel die Salzwassertherme und das Saunadorf in Roetgen. Die Radtouren müssen ja nicht gleich in Leistungssport ausarten.

Text und Fotos: Ralf Meutgens

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